Wenn du meinen Namen sagst

Wenn du meinen Namen sagst,

Bist du du. Bist du ehrlich. Aufgeregt. Nachdenklich.

Wenn du meinen Namen sagst,

Liebe ich das. Nenn es – wie du willst. Nenn mich wie du willst. Nenn es Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit – von dir – und mein Herz klopft. Nenn es Herzklopfen. Nenn es Herzrasen. Nenn mich, wie du willst. Me – li – na. Ein schöner Name, hast du gesagt. Und ich hab gelächelt. Me – li – na – als ob. Du mich kennst.

Wenn du meinen Namen sagst,

Siehst du mich an. Und ich sehe: du siehst mich. Du siehst es und du sahst es, sahst von der 1. Minute an, dass ich es gar nicht sehen wollte. Und dann – sah ich es. Und sofort – wurde es oberflächlich. Unsicher. Du sagst meinen Namen – du sahst es – und ich sehe dich nicht an. Kann dem Blick nicht standhalten. Wirklich?

Und du bist ganz ruhig. Und sagst meinen Namen. Und ich bin so stolz. Und hart. Zu mir und – deshalb – zu dir.  Nenn es, wie du willst. Nenn es – hohe Ansprüche – durch und durch. Vorgemacht – durch und durch. Und du? Sagst meinen Namen. Und holst mich zurück, auf den Boden.

Wir sitzen auf dem Boden. Ja, genau da: Auf genau dem, auf den du mich geholt hast, nach Wochen und Monaten und Augenblicken und Warten und ansehen und dem Blick standhalten. Der Boden ist staubig. Der Staub wirblet, in unsere Augen und Haare und Fingernägel und unter die Haut. Und du? Sagst meinen Namen. Und siehst mich an. Und ich lache. Und ich halte es nicht aus. Und ich gucke zurück. Zögerlich.

Denn ich bin auf dem Boden und du – siehst es. Es ist nichts mehr da, was was du nicht sehen kannst. Und du? Bleibst ganz ruhig. Ganz nah. Lässt mich nicht weglaufen. Und sagst meinen Namen. Me – li – na.

Und dann passiert etwas. Hast du es überhaupt bemerkt? Oder war das nur ich? Nur in meinem Kopf. Etwas ist weg, zwischen uns. Ich seh’s: Ich seh’s nicht mehr.

Du sagst meinen Namen – und meinst es auch. Und bleibst. Und sagst nicht, was du willst. Du sagst meinen Namen – und siehst mich an. Und siehst mich auch. Und ich bleibe. Und ich sehe zurück. Sehe ich jetzt sicher aus, ich?

Du sagst meinen Namen. Me – li – na.

Und ich halte es aus.

 

1 Kommentar

  1. 7. November 2018 / 2:40 pm

    Liebe Melina, was für ein wundervoller Text!
    So unglaublich schön geschrieben, poetisch und tiefsinnig, einfach wow!

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