WHY WE LOVE VINTAGE FASHION

An der Überschrift könnt ihr euch vermutlich bereits denken, worum es im heutigen Beitrag gehen soll – nämlich um meine große Liebe für Gebrauchtes. Ich erinnere mich noch richtig gut an den Tag, an dem mir zwei meiner ältesten Freundinnen erzählten, dass sie ab jetzt nur noch Second Hand kaufen würden. “Auch Unterwäsche?”, fragte ich etwas stutzig.
“Naja, die lasse ich mir zu Weihnachten schenken.” , meinte die eine.
“Das macht doch aber keinen Sinn, dann kannst du es auch sein lassen”, entgegnete die andere.
“Könnte ich halt echt nicht”, dachte ich mir.

Mein Image von Second Hand war früher etwas anders. Ich dachte an muffige, überfüllte Läden, vollgestopft mit alten Blazern mit Schulterplostern, Kleidungsstücken, die meinem Körper nie passen würden und stickiger Luft. Ich wollte alles neu haben, schon als Kind fand ich es uncool, zu meiner Kommunion die Schuhe meiner Cousine zu tragen (daran, dass man als Kind ständig aus seinen Klamotten wächst und es ganz schön kostspielig sein kann, alles neu zu kaufen, habe ich natürlich nicht gedacht). Heute ist Vintage für mich … ein Gefühl. Und Einstellungssache. Klingt dramatisch? Ach, quatsch.

ES MACHT SPAß

Ja, es dauert, je nach Geschäft, etwas länger, etwas zu finden, was einem gefällt. Läden sind selten nach Saison und Modetrend geordnet – und hier spreche ich jetzt nicht nur von Klamotten. Man muss anprobieren und wühlen und sich ein bisschen was trauen. Wenn man das mal gemacht hat, entwickelt man, oder ich zumindest, jedoch auch eine ganz andere Beziehung zum erworbenen Stück. Man hat ja darum gekämpft, sozusagen. Vintage zu shoppen bedeutet, meist mit etwas nach Hause zu gehen, das man nicht an jeder zweiten Straßenecke sieht, nicht nur nach aktuellen Trends zu gehen, sondern Neues auszuprobieren und auch den eigenen Stil zu entwickeln.

ES IST NACHHALTIG

… je nachdem, wo man einkauft, ja. Nicht jeder Second-Hand-Store ist auch nachhaltig bzw. tut Gutes mit seinen Spenden und Erlösen. Für mich ist es jedoch die Möglichkeit, mir etwas Schönes zuzulegen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Dass Fast Fashion im Grunde echt beschissen ist (sorry für den Ausdruck aber der ist eigentlich noch untertrieben), weiß ja hoffentlich mittlerweile jede/r. Als ich mich mit ein paar Dokus und Artikeln aber mal mehr damit auseinandersetzte (sehr empfehlen kann ich euch The True Cost auf Netflix , Gift auf unserer Haut ), überkamen mich erst mal sehr viel mehr Gefühle, als dieses Von-Mir-Weggeschiebe es jemals zugelassen hätte.

Wow, das wird ja schon wieder sehr dramatisch in meinem Text. Aber gut. Nachdem ich begriffen hatte, was für eine Rolle Fast Fashion für die Menschen spielt, die sie produzieren, ein paar mal geheult habe und mit mehreren Leuten über das Thema gesprochen hatte, wurde mir bewusst, dass ich die Vergangenheit zwar nicht mehr ändern kann, aber zumindest zukünftig das Angebot mit meiner eigenen Nachfrage beeinflussen kann. Denn ja, bei mir, bei dir, beim Einzelnen fängt das Ganze an, right? Somit ist Second Hand für mich die Möglichkeit, Müllbergen von schnell mal getragener, billiger Kleidung und unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf dieser Welt mein eigenes kleines Stoppschild entgegenzuhalten. Würden wir alle unsere Kleidung mal umdrehen, könnte jeder sehen, was auf dem kleinen Zettelchen steht, das eigentlich jeder ignoriert: Made in … Bangladesch, India, die Liste ist sehr lang, die Summe der Löhne an ArbeiterInnen ziemlich kurz.

MAN KANN SIE NICHT NUR IM LADEN KAUFEN

Wann warst du das letzte Mal auf einem Flohmarkt? Mein bester Freund und ich lieben es, an einem Wochenende ganz früh aufzubrechen und zu stöbern, zu feilschen (wobei, zugegeben, darin bin ich nicht so gut) und die BesitzerInnen hinter Stücken kennenzulernen. Gerade hier kann man echte Schätze finden! Nächste Woche ziehe ich in eine neue Wohnung und freue mich jetzt schon darauf, schönes Porzellan und neue Gläser mit nach Hause zu bringen, die es in ihrem vorherigen Zuhause schon gut hatten.

In deiner Stadt gibt’s weder Vintage Stores, noch Flohmärkte? Gut, ich muss sagen, dass wir hier in Berlin auch etwas verwöhnt sind. Eine weitere Option, Second Hand zu kaufen, sind Plattformen wie Mädchenflohmarkt (meinen Kleiderschrank findet ihr z.B. hier), eBay oder Kleiderkreisel. Hier ist es vermutlich noch einfacher, zu filtern und Sachen zu finden, die einem gefallen, oder auch den eigenen Kleiderschrank mal wieder auszumisten, ein paar Euros dazu zu verdienen und sich ein Lieblingsteil für sehr viel günstiger zu schnappen.

UND WAS IST MIT VEGANER FAIR FASHION?

Damit, meine Freunde, kenne ich mich noch nicht genug aus. Punkt. Ich werde hier nicht von Erfahrungen berichten, die ich noch nicht gemacht habe. Auch im Bereich der Fair Fashion hat sich einiges getan, sie ist nicht mehr nur unbezahlbar, hässlich und oll und trotzdem habe ich mich noch nicht viel damit befasst. Warum? Aus genau den Gründen, die ich oben aufgezählt habe – ich liebe Second Hand. !! ! Und wenn es soweit ist, kommt hier auch ein Beitrag über Fair Fashion.

HEISST DAS, ICH MUSS JETZT ALLES PERFEKT MACHEN?

Vor drei Wochen waren mein Freund und ich beim Schweden. Aus Spaß probierte ich ein Oberteil an, er fand es super und hat es mir für 6€ hinter meinem Rücken gekauft. Nachdem ich kurz fast die Fassung verloren hätte, riss ich mich zusammen, machte ihm keine Szene und erinnerte mich daran, dass auch ich nichts perfekt machen kann. Klar hätte das nicht sein müssen, es war jedoch eine lieb gemeinte Geste und kein Weltuntergang. Als Teenie war mein größtes Hobby ganz klar: shoppen gehen. Ich verbrachte Stunden im Sale, zählte über 60 Paar Schuhe mein Eigen und vor allem war mir wichtig: so günstig wie nötig, so aktuell wie möglich. Shame on me, yes. Und heute? Wenn ich konkret in meinen Kleiderschrank gucke, ist bestimmt 50% von dem, was ich trage, mittlerweile Second Hand. Wie oft ich im letzten Jahr beim Schweden war, kann ich an weniger als einer Hand abzählen. Ich mache mir Gedanken. Ich hinterfrage meine Handlungen. Ich denke ganz anders heute, als allein vor einem Jahr. Ich bin nicht perfekt. Durch meine Arbeit bekomme ich noch oft Samples, die weder vegan noch fair sind und es fällt mir schwer, mich von ihnen zu trennen, jedoch habe ich dies schon stark reduziert und achte bei Marken mittlerweile stark darauf, wo und wie sie produzieren, bevor ich mit ihnen zusammenarbeite.

UND IHR SO?

Wo kauft ihr am liebsten? Ist Vintage für euch oll oder mittlerweile cool? Ich freue mich auf eure Meinung!

Das Outfit, das Charly hier zum Sonnenuntergang am Maybachufer letztens festgehalten hat, ist übrigens – bis auf die Schuhe – Second Hand und habe ich für ganze 7€ erstanden, nämlich im Swop Shop in Malmö und auf dem Flohmarkt am Arkonaplatz in Berlin.

1 Kommentar

  1. 25. September 2018 / 1:51 pm

    Oh was für ein schöner Post und was für ein tolles Outfit!
    Ich versuche auch, immer mehr Second Hand zu kaufen, wobei ich irgendwie sowieso gar nicht gerne shoppen gehe. Deswegen kostet es mich auch viel Geduld, im Vintage Laden zu stöbern, aber wenn, dann dort!

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