BUT HOW DO YOU FALL IN LOVE AGAIN

Photos by Caglar Yildiz. / English version below

Frühling in Berlin und wir warten auf die Sonne. Frühling in Berlin und ich bin wieder zu Hause – wieder einmal. Wenn man Monate weiß, Wochen hat, sich darauf vorzubereiten, dass einem bald das Herz gebrochen wird, wie macht man das, wenn es dann einfach so weit ist? Darf man dann noch überrascht spielen, darf man überhaupt traurig sein? Wir wussten ja, dass es so kommen würde.

Frühling in Berlin und ich warte auf die Sonne. Ich steige in die Tram und mein Gesicht spiegelt sich mit 15 weiteren und wir schweigen. Und ich fühle mich allein, obwohl ich nicht alleine bin. Wie macht man das, wenn man weiß, dass es so kommen würde, wieder einmal? Hatte ich nicht genug Zeit, vom letzten Jahr zu lernen.

Frühling in Berlin und es ist anders. Anders als 2017. Keine Sonne, kein Frühling und in meinem Herzen fehlt etwas. Es ist nicht nur die Sonne, die fehlt, Menschen, die fehlen, Nächte in Richmond, Fremde, die jetzt Freunde sind, Spaziergänge, die man in der Kälte nicht mehr machen kann, allein schon weil der Strand jetzt weg ist. Es ist, als hätte ich einen Teil von mir da drüben gelassen und hier versteht ihn niemand mehr und ich darf ihn nicht erklären, nicht davon erzählen und ihn könnte auch sowieso niemand verstehen. Und da stellt sich gleich die Frage: wenn dieser Teil jetzt weg ist, bin ich dann überhaupt noch ich?

Wie mache ich das wieder heil mit Berlin und mir?

Es fühlt sich an, als wäre auf einmal das Licht im Kino angegangen. Als wäre eine Seifenblase geplatzt, und ich mittendrin und ich falle raus aus der Seifenblase und ich kann sie nicht festhalten, denn sie hat ja nicht mal etwas, woran ich mich festhalten könnte, außer der Erinnerung. Über die letzten fünf Monate habe ich von Berlin gesprochen, wie von der Liebe meines Lebens.

„Ich vermisse dies, ich vermisse das, man kann hier alles tun, du darfst hier alles sein und außerdem gibt es Spätis. Berlin macht glücklich.“

Zurück hier und mir kommt es vor, als wäre die Liebe meines Lebens eingestaubt, mit grauem traurigem Filter drüber und nicht mal ansatzweise so, wie in meiner Erinnerung gespeichert. Was stimmt denn jetzt überhaupt noch? Wie mache ich das wieder heil mit unserer Beziehung, mit Berlin und mir?

Frühling in Berlin und ich wache zeitig auf. Ich schiebe den Vorhang auf die Seite und atme auf: Sonne. Endlich, endlich Sonne. Unsere Straßen sind noch leer, man hört die Vögel zwitschern. Wir gehen Kaffee trinken. Wir gehen spazieren, an der Spree.

Hey, ist doch gar nicht so schlecht, denke ich laut.

Es ist Sonntag, wir gehen tanzen und mein Kopf wird leer. Ich lache, zum ersten Mal seit Tagen und ich denke nicht darüber nach, ob das jetzt echt war oder nicht. Also war es wohl echt, oder? Es ist Sonntag und wir gehen frühstücken. Das Avocadobrot ist kalt. Ich bin verwöhnt. „Ist doch gar nicht so schlecht“, rede ich mir ein und lächle und freue mich wie bolle darüber, die Erinnerung an Melbourne zumindest noch auf der Zunge gespeichert zu haben.

Es ist Sonntag und wir sind unterwegs. Flohmarkt, Museumsinsel, Radler im Mauerpark. Ich lache und bin mir wieder sicher, dass es echt war. Vielleicht ist es wie ein Tippelspiel, denke ich, zwei Schritte vor, einer zurück, zwei mal echt lachen, einmal Mühe geben, zwei Schritte vor und irgendwann keiner mehr zurück.

Frühling in Berlin und wir gehen zwei Schritte nach vorne. Du und ich.

It’s spring in Berlin and we’re waiting for the sun. It’s spring in Berlin and I’m back home – once again. If you’ve known for months, had weeks to prepare for a broken heart, how are you supposed to act when it happens just like that? Could you still act surprised, are you allowed to be sad at all? We knew that it would happen. It’s spring in Berlin and I’m waiting for the sun. I get on the tram and see my face as a reflection, together with 15 others and we are quiet, so quiet. I feel lonely, even though I’m not alone. How do act when you know it’s going to happen, once again? Apparently, I didn’t learn anything from last year. It’s spring in Berlin and it’s different. Not like 2017. No sun, no spring and something in my heart is missing. It’s not just the sun that’s not here, or people, nights in St Kilda or Richmond, strangers who became friends, walks you can’t do in the cold. It’s like I’ve left a part of me over there and nobody understands that part and I’m not allowed to explain, not allowed to tell, and nobody could understand that part anyway. And that begs the question: if this part is gone now, am I even complete?

It feels like somebody had suddenly switched on the light in the movies. As if a bubble had burst, and I was in the middle of it, I’m falling out of the bubble and I can’t hold on to it, because it doesn’t even have anything to hold on to except for a far away memory. Over the past five months I have spoken of Berlin, as of the love of my life. „I miss this, I miss that, you can do anything here, you can be everything here and there are also late risers Berlin makes you happy.“ Back here and I feel as if the love of my life was a bit dusty, with a gray sad filter over it and not even remotely as great as I had kept it in my memory. What’s the truth now? How am I supposed to heal our relationship, Berlin’s and mine?

It’s spring in Berlin and I wake up early. I push the curtain to the side and breathe: sun. Finally, finally sun. Our streets are still empty and you can hear the birds chirping. We go for a coffee. We go for a walk, along the Spree. Hey, this iss not so that bad, I think out loud. It’s Sunday, we go dancing and my head is finally calming down. I laugh, for the first time in days, and I don’t have to think about whether that was real a real laugh or not. So it was real, right? Its Sunday and we go for breakfast. The avocado bread is lame. I feel spoiled. „It’s not that bad,“ I talk to myself and smile and am secretly happy the taste of Melbourne breakfasts is still a memory in my head. It’s Sunday and we are out and about. Flea markets, Museum Island, Radler in Mauerpark. I laugh and am sure again that it was real. Maybe it’s like a tip-tap-game, I think. One step back, two steps forward, one back, two times real laugh, two steps forward and eventually no more back. It’s spring in Berlin and we take two steps forward.
You and me.

13 Kommentare

  1. Janine
    27. März 2018 / 2:51 pm

    Sehr schöne und ehrliche Worte von dir 🙂

    • melinaophelia
      27. März 2018 / 4:24 pm

      <3

  2. 27. März 2018 / 7:45 pm

    Unheimlich schön geschrieben!♡

  3. Caro
    27. März 2018 / 8:20 pm

    Schön, so ehrliche Worte zu hören und erleichternd zu wissen, dass man nicht die Einzige ist die sich in dieser Stadt manchmal alleine und so verloren fühlt. Ich hoffe du findest das wonach du suchst!

    • melinaophelia
      1. April 2018 / 11:42 am

      Danke, liebe Caro <3

  4. 27. März 2018 / 9:36 pm

    Was für wunderschöne, ehrliche und berührende Worte! Es tut so gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht, dass trotz aller Liebe zu Berlin immer wieder die Zweifel kommen, die Liebe plötzlich nicht mehr echt scheint, man sich alleine fühlt und nicht weiß wohin… Und du hast diese Gefühle so wundervoll ausgedrückt liebe Melina, ich hatte wirklich Tränen in den Augen, weil es einfach so zu meiner momentanen Gefühlslage passt!

    • melinaophelia
      1. April 2018 / 11:42 am

      Danke Kim! <3

  5. 28. März 2018 / 9:09 pm

    Ein richtig schöner Text Melina… allerdings macht er mir ein wenig einen Kloß im Hals. Ich bin bald auch weg, für eine lange Zeit, auch in Australien, im schönen Australien und ich kann es kaum erwarten. Aber wenn ich das hier lese, was wiedermal bestätigt, was ich schon von vielen gehört habe, dann hab ich auch ein bisschen Bammel vor dem wiederkommen. Dabei bin ich noch nicht mal weg 😀 Habe noch das vermutlich schönste Jahr meines Lebens und kann mir jetzt schon vorstellen, dass ich gar nicht mehr zurück kommn werden möchte…
    Erstmal bin ich aber so darauf gespannt anzukommen, am anderen Ende der Welt!

    Liebe Grüße, ich wünsch uns Sonnenschein hier in Deutschland!
    Pauline <3

    http://www.mind-wanderer.com

    • melinaophelia
      1. April 2018 / 11:42 am

      freu dich erst mal darauf und wenn es so weit ist, weißt du, dass du nicht alleine bist. Wege, dort zu bleiben oder wieder zu kommen, gibt es ja zum Glück 🙂

  6. 5. April 2018 / 12:42 am

    Oh Melina der Text ist soo schön!! Berlin ist eine wundervolle Stadt und ich werde bald meinen Traum wahrmachen und dorthin ziehen <3 Ich bin so unglaublich gespannt
    Alles Liebe, Lea von http://leachristind.blogspot.com

  7. 5. April 2018 / 12:44 am

    Oh Melina der Text ist soo schön!! Berlin ist eine wundervolle Stadt und ich werde bald meinen Traum wahrmachen und dorthin ziehen <3 Ich bin so unglaublich gespannt
    Wünsche dir die schönste kommende Zeit voller neuer Liebe in Berlin , Lea von http://leachristind.blogspot.com

  8. 7. April 2018 / 5:40 am

    Du schaffst es !! Da bin ich mir sicher. Ich bin so gespannt was noch in den nächsten Wochen und Monate bei dir passiert 🙂

    xx Julia

    ExploresMore.com

    • melinaophelia
      7. April 2018 / 10:38 am

      Danke Julia <3

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