TALK LATER, 2017

Es ist der vierte Januar und so langsam habe ich meinen Kopf wieder klar bekommen. Das hier wird eigentlich ein Jahresrückblick – trotzdem, warum kann man den nicht mal von hinten aufrollen? Wenn man wirklich dem Sprichwort zufolge das Jahr so ausklingen lassen soll, wie man sich das darauf Folgende wünscht, dann habe ich das mit viel Tanzen, Musik und einem ordentlichen Knall getan. Nachdem ich die letzten zwei Tage quasi nur mit Essen und Schlafen verbracht habe, dachte ich mir: besser spät als nie, also fang einfach mal an zu tippen.

Während 2016 eine einzige Achterbahnfahrt war, waren die darauffolgenden 365 Tage so nett, so gemäßigt, so gut, irgendwie. Was den Blog und meine Arbeit betrifft, hatte ich um ehrlich zu sein so viele Zweifel. Ich wusste nicht, wohin mit mir, wohin mit meiner Kreativität, mit meinen Gedanken. Was darf ich teilen und was ist zu privat? Welche Kampagnen möchte ich wirklich umsetzen? Was interessiert mich und was interessiert die Leute? Will ich so weitermachen wie bisher oder was ist mein Fokus? Darüber schwebt für mich immer noch mehr oder weniger ein Fragezeichen und irgendwann habe ich mich damit abgefunden, dass solange es sich richtig anfühlt und es mich glücklich macht, ich hier einfach teile, was ich möchte. Mich weniger an Tage, Wochen, Themen, Trends und Deadlines halte und mich darauf fokussiere, was sich gut anfühlt. Mein Content hat sich von Smoothiebowls und Veganer healthy Lifestyle zu etwas verändert, von dem ich nicht mal mehr sicher bin, was es ist. Aber es fühlt sich besser an.

Der Januar
startete mit einem weinenden Auge und mit einem, in dem die Tränen dabei waren zu trocknen. Und auch, wenn ich es mir noch nicht ganz eingestehen kann, hat mich diese Zeit unglaublich gehärtet. Und geschlaucht. Der Januar war voll mit gesundheitlichen Problemen, mit privaten Wehwehchen, mit Unverträglichkeiten und Unzufriedenheit und auch meinem Kopf ging es zu der Zeit gar nicht gut, um ehrlich zu sein. Ich hatte keinen Plan, keinen Anschluss in der Uni und ein geknicktes Herz.

Und dann kam der Februar und mit ihm die Reise, die für immer alles verändert hat: Lisa und ich flogen am 20.02. von Berlin nach Melbourne und ab da gab es kein Zurück mehr. Mein Herz taute auf. Ich konnte wieder lachen, ich konnte wieder essen und ich fühlte mich zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder wie Mensch, nicht wie ein Alien. Wenn ich an die darauffolgenden 7 Wochen denke, dann darf ich nicht nur Melbourne (hier geht’s zum vollen Blogpost) und den Stränden, der Great Ocean Road, den Weinbergen in Hahndorf, Bondi Beach, Acai Bowls in Sydney, Drinks in Gold Coast, Tanzen während des Sonnenuntergangs, Roadtrips, Surfen und Sonnenuntergängen danken, sondern ganz besonders einer Person. Ohne meinen Travelbuddy wäre weder diese Reise, noch das ganze Jahr dasselbe gewesen und ohne Lisa und ihr viel zu gutes, großes Herz wäre ich niemals so geheilt. Ich verließ Melbourne mit einem neuen Piercing, einem neuen Tattoo und etwas, das sich wie ein Neuanfang anführe.

Im April durfte ich mit Jil nach Verona reisen. Gesagt, geplant, Flug verpasst. Zum Glück kann wenigstens eine von uns beiden mitdenken und so flogen wir nach 6 Stunden Aufenthalt am Flughafen SXF einfach nach Venedig, nahmen von dort aus den Zug, der uns die schönste Aussicht über italienische Landschaften bereitete, und kamen dann irgendwann doch noch am Ziel an. Unser erster gemeinsamer Trip war voll mit romantischen Straßen, Rotwein, Sonnenuntergängen auf unserem eigenen Balkon und einer Zeit, die, denke ich, wichtig für uns beide war.

Das zweite Semester fing an und ich lernte tatsächlich Menschen in meinem Studiengang kennen. Kurze Erklärung: bis vor einem halben Jahr habe ich sage und schreibe 10 Minuten Fußweg von der Uni entfernt gewohnt, und gepaart mit meinem nicht allzu rosigen mentalen Zustand hatte ich im ersten Semester auch herzlich wenig Interesse für alles, was sich außerhalb des Hörsaales abspielte. Zum Glück bekam meine Social Anxiety im April und Mai ordentlich eins auf den Deckel und ich bin froh, mehr als einmal über meinen Schatten gesprungen zu sein. Ehrlich gesagt hätte ich nie erwartet, das einmal zu sagen, aber: ich liebe, was ich studiere. Ich sehe einen Sinn dahinter, ich interessiere mich von ganzem Herzen dafür und beschäftige mich auch privat nur zu gerne mit allem, was Philosophie angeht. Ich kenne nicht viele Menschen, die das von ihrem Studiengang behaupten können, und dafür bin ich wirklich dankbar.

Es kam der erste Mai und mit ihm begann das Chaos in Berlin. Es folgten lange Nächte, spontane Raves, viel zu laute Musik, ich führte einige der für mich wichtigsten Menschen mit meinem ältesten Freundeskreis zusammen und irgendwie schien alles etwas zu gut zu gehen. Meine Mitbewohnerin und Kevin wurden zu meinen besten Freunden. Und dann entschloss ich mich dazu, nach zwei Jahren in meiner alten WG, Charlottenburg zu verlassen und mit Lisa zusammen zu ziehen. Zum einen war das mit die beste und schönste Bereicherung des ganzen Jahres. Zum anderen war der Weg dorthin so unfassbar steinig, so voll mit Egotrips und Enttäuschungen und Streits und so nervenaufreibend, dass ich bis heute an den Tag zurückdenke, an dem ich im strömenden Regen mit meinen Umzugshelfern im Transporter saß und zum gefühlt ersten Mal seit Wochen wieder ordentlich Luft holte.

Nachdem dieser Schritt getan war, wurden wir eine Familie. Ich verliebte mich noch mehr in meine neue Nachbarschaft, Freundschaften wurden gefestigt und wir verbrachten viele, viele Tage mit Waffeln essen und Sonnenschein im Mauerpark. Unsere Einweihungsparty werde ich wohl nie vergessen, den kaputten Türrahmen und die darauf unfassbar unpassend folgende Fashion Week ebenfalls nicht. Genauso dankbar wie ich über alle Einladungen zu Shows und Events war, genauso habe ich auch wieder gemerkt, wie oberflächlich die Szene ist und wie viel zu sensibel ich dafür bin. Hut ab an alle Menschen, die sich den Trubel zwei Mal pro Jahr in mehreren Städten geben. Ich endete dann eher dabei, die letzten Shows abzusagen und widmete mich lieber Pho und Sommerrollen in unserem Wohnzimmer.

Es folgten Solomon auf dem Sea You in Freiburg mit Isa, meine Abschlusspräsentation in der Uni, ein spontaner Ausflug nach Rostock, zwei verregnete Tage mit Melina im Ritz in der Autostadt Wolfsburg, Nachmittage mit Karaoke und Waffeln im Mauerpark, Radler im Klunkerkranich und ganz viel Berlinliebe. Und dann hieß es Koffer packen für einen Zwischenstopp in Bayern und eine Zugreise nach Wien. Hier begann Dianas und mein Abenteuer. Wir kamen bei Julsi und Chris unter und ich durfte zum ersten Mal seit langem erleben, wie in love zwei Menschen eigentlich sein können. Wir tranken Kaffee, verbrachten eine lange Nacht am Donaukanal, sahen Valentina und Angie wieder und ich verliebte mich noch ein bisschen mehr in Wien. Und dann: zwei Wochen zusammen im Auto über Budapest runter die kroatische Küste entlang, ganz slow, mit Pievo, Ajvar mit Bruschetta, Sonnenschein, langen Gesprächen nachts am Hafen in Split und glasklarem Wasser und dann wieder zurück. Ich verliebte mich noch mehr in Wien. Wiener Architektur, Wiener Kaffee und Wiener Lebenslust und erzählte mindestens 12 Menschen, dass ich dort meinen Master machen möchte.

Und dann: eineinhalb Tage Zwischenstopp in Berlin, Reunion mit Lisa, stundenlangen Gesprächen und gemeinsamer Prokrastination auf ihrem Bett, Spaziergänge, Vino und die nächste Zufgahrt nach Mainz. Hier hatte ich das Glück, eine richtige Bengali Hochzeit erleben zu dürfen – und wurde prompt so richtig krank. Im Hochsommer. Zurück nach Berlin und es folgten fast drei Wochen Auszeit, in der mich Charlie, Maren und Diana aufpäppelten. Ich verpasste Moderat und fing an, mir selbst ein wenig auf den Geist zu gehen. Pünktlich zu Lisas 21. Geburtstag wurde ich wieder gesund und verbrachte erst mal ein komplettes Wochenende überall, nur nicht zu Hause. Worth it.

Der September wirkte wie eine ewig lange Überbrückungsphase mit einem einzigen Ziel vor Augen: unserem Rückflug nach Melbourne im Oktober. 2017 war das Jahr, in dem sich alles festigte: Freunde, Familie, Wohnung, Job. Alles schien perfekt und trotzdem musste ein neues Abenteuer her. Und wenn man denkt, die Zeit will einfach nicht vergehen, dann geht auf einmal alles ganz schnell. Ich wurde 23 Jahre alt und hatte den schönsten Geburtstag, den man sich nur vorstellen kann. Ich meine, wer hat schon Freunde, die einen mit veganem Carrot Cake und Rotkäppchen auf einem Dach mit Blick auf den Fernsehturm überraschen? Ich hab sie und ich kann mein Glück kaum fassen. Wir feierten ein, zwei, aus Versehen fast drei Abschiedsparties, wir verdrückten ein paar Tränchen, räumten unsere Wohnung leer, ließen den Türrahmen reparieren und stiegen in’s Taxi zum Flughafen. Next Stop: Bali.

Um ehrlich zu sein war unsere Vorfreude auf Australien so groß, dass wir fast vergessen hatten, dass little Paradise noch ein Zwischenstopp sein würde. Nachdem ich endlich aus meinem Schlaftablettenkoma erwacht war (never again), war Bali easy, fast zu easy (hier ist der volle Blogpost zur Reise). Wir hatten das Glück, eine der wohl schönsten Hotelkooperationen wahrnehmen zu dürfen, gingen wandern in Nusa Penida, holten uns einen konstanten Bali Belly, lernten Fremde kennen, genossen die krasstesten Frühstücke, gingen in Uluwatu surfen, erlebten lange Nächte in Canggu … und flogen schließlich mit 5 Stunden Verspätung von Denpasar weiter nach Melbourne.

Und ab hier waren Lisa und ich zum gefühlt ersten Mal seit einem halben Jahr nicht mehr 24 / 7 zusammen. Nach Melbourne zurückzukommen war so unspektakulär, es fühlte sich unheimlich an. Es fühlte sich an, als wären wir nie weggewesen. Ich lernte meinen neuen Housemate, mit dem ich zuvor nur ein einziges Mal per FaceTime telefoniert hatte, kennen und schätzen. Wir verbrachten Abende auf Lisas und Melinas Balkon und wurden ein Trio. Und eine Woche nach Ankunft lernte ich jemand kennen, der wohl die gesamte darauffolgende Zeit verändert hat. Und ich ließ es passieren. Mein Englisch wurde flüssiger, ohne es überhaupt zu versuchen. Ich erlebte mein erstes Australisches Festival, Strawberry Fields, inmitten von Staub, Kostümen, Techno und neuen Freunden. Ich lernte mich selbst besser kennen, lernte „Ja“ zu sagen, nicht hinter allem eine schlechte Absicht zu suchen und mich fallen zu lassen. Wir gingen campen und auf Roadtrips und mein Herz taute auf. Ich vermisste Berlin erst kein bisschen und dann ganz doll. Ich verbrachte viel Zeit mit mir alleine und ging mir irgendwann auf den Keks. Meinem Kopf ging es wieder schlechter und dann wurde ich wieder aus meinem eigenen Gedankenchaos herausgeholt. Danke. Die letzten beiden Monate waren wohl mit die intensivsten des ganzen Jahres. Und so kann es weiter gehen.

Danke, 2017. Danke an alle Freunde, die neuen und die alten und die, die sich eher wie Familie anfühlen. Danke für die Lessons, für die Hochs und auch für die Tiefs. Für jeden Sonnenuntergang, jeden Regentag, jede durchtanzte Nacht, jede Zusammenarbeit mit wirklich tollen Kooperationspartnern. Danke für Vorlesungen in der Uni und Nächte beim Späti. Für Lisa und Australien und überhaupt. Danke, 2017.

9 Kommentare

  1. Elli 🍓
    4. Januar 2018 / 7:26 am

    Wunder wunderschöner Text, Liebes! Du kannst wirklich gut mit Worten umgehen, man fühlt richtig mit dir mit! Frohes Neues Jahr und much love to you 💗💗💗

    • melinaophelia
      Autor
      6. Januar 2018 / 4:01 am

      Oh danke liebe Elli! Ich wünsche dir dasselbe 🙂

  2. Nina
    4. Januar 2018 / 8:18 am

    Das ist so schön geschrieben <3
    Melina ich wünsche dir ein schönes, richtig schönes neues Jahr.
    Lass den Kopf nicht hängen, wenn man schlechte Zeiten kommen und genieß die tollen Erlebnisse.
    Fühl dich fest gedrückt!
    Liebe Grüße,
    Nina

    • melinaophelia
      Autor
      6. Januar 2018 / 4:01 am

      Danke Nina! <3 Dir auch ein ganz, ganz tolles neues Jahr <3

  3. 4. Januar 2018 / 6:31 pm

    Was für ein schöner Blogpost Melina!! Man merkt vor allem in den letzten paar Zeilen wie unglaublich dankbar du einfach für alles bist, was dir in diesem Jahr passiert ist. Das positive und das negative und das finde ich so so schön und so wichtig! Es mus nicht perfekt sein um schön zu sein!
    Ich finde es auch wahnsinn, wie unglaublich viel du erlebt hast! So viele Reisen, so viele tolle Erlebnisse – ich kann mir gar nicht vorstellen, wie du da nebenbei noch in die Uni gehst 😀 Hört sich auf jeden Fall alles in allem nach einem sehr erfolgreichen Jahr an!
    Für mich geht es dieses Jahr nach dem Abi auch im September nach Melbourne und ich würde mich riesig freuen, wenn du einen all umfassenden Melboune Post schreiben würdest 🙂 Ich sehe immer in deinen Stories, dass du in so vielen Museen und noch mehr tollen Food Spots unterwegs bin, dass ich mich sehr freuen würde ein paar To-Do Punkte zu haben, wenn ich ankomme. Ich werde nämlich alleine sein und da ist es sicher ganz toll, wenn man am Anfang erstmal was zu tun hat und sich ablenken und Leute kennen lernen kann. Außerdem würde ich total gerne mehr über die Festivals wissen auf denen du warst 🙂
    Ich bin schon so gespannt was 2018 alles noch so bei dir passieren wird und bis ich selbst in Australien bin, Träume ich gerne ein bisschen, wenn ich deine Bilder sehe und Stories höre 🙂 Das macht mich glücklich und hilft mir über die nervige Abi-Zeit 😀

    Ich wünsche dir nur das Beste für 2018 <3

    Liebe Grüße
    Pauline <3

    http://www.mind-wanderer.com

    • melinaophelia
      Autor
      7. Januar 2018 / 1:05 am

      Ich freue mich immer so über deine Kommentare 🙂 <3 Es wird auf jeden Fall noch ein gesammelter Blogpost kommen, wenn mein Aufenthalt hier im März zu Ende geht! Bis dahin sammle ich fleißig für dich! Liebe Grüße

  4. 5. Januar 2018 / 5:01 am

    I’m trying to learn German so reading your 2017 reflection was challenging but interesting 🙂 I love your pictures from Australia, they’re gorgeous. Inspires me to visit someday!!

    https://emmas-insights.com/

  5. 9. Januar 2018 / 1:06 am

    Ich bin verliebt in die Art wie du schreibst.
    Es macht mir so eine wahnsinnige Freude am Leben sein zu dürfen und auch selbst die Chance dazu haben das Leben erleben zu dürfen und irgendwie auch alles so wie es kommt anzunehmen und zu akzeptieren..
    Wundervoller Jahresrückblick, ich kann den nächsten Post echt kaum noch erwarten!! 😀 <3
    Alles Liebe und eine wundervolle Woche, Lea von http://leachristind.blogspot.com

  6. 3. Februar 2018 / 5:09 pm

    oh ist das schön geschrieben! Toller Jahresrückblick! Und auch sehr schön das du nicht nur das positive erwähnst sondern auch mal die nicht so schönen Momente. 🙂

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