EAST COAST DIARIES

Eigentlich war das alles ganz anders geplant. Eigentlich. Am 6. März fuhren Lisa zur Waschanlage, räumten nochmal die Koffer um und verließen unser eine Woche altes Baby namens Jucy schweren Herzens beim Autoverleih. So viele Erinnerungen hängen an ihr und trotz anfänglicher Schwierigkeiten, wie auf der linken Seite und auf einmal wieder Automatik fahren, hatten wir doch eine wirklich gute Zeit zusammen.  Nachdem der wohl süßeste Shuttlefahrer aller Zeiten uns alles über seine Reisen als junger Mann durch Europa erzählt hatte, kamen wir am Flughafen an und stiegen 2 Stunden später in den Flieger von Adelaide nach Sydney.

Sydney also. Die meisten Leute, die mal durch Australien gereist sind, erzählen dir: entweder man mag Sydney oder man mag Melbourne. Mein Herz hatte sich bereits nach einem Abend entschieden.  Unser Hostel lag in Bondi Beach, so nah am Strand, dass man vom Fenster aus die Wellen beobachten konnte. Neben den Toffee-Bonbons an der Rezeption war das aber auch das wohl einzig positive an dieser Unterkunft, weshalb ich für Sydney leider keine Empfehlungen für euch habe. 

Bondi war windig, schwül und mir persönlich etwas zu gewollt hipster. Es gibt einige nette Boutiquen, ein paar tolle Cafés und coole Street Art. Das wohl Beste, was man dort machen kann, ist der Coastal Walk nach Coogee, den wir gleich am ersten Morgen nach unserer Ankunft in Angriff nahmen. Die Wellen sind unbeschreiblich schön, wild, irgendwie rau und seinen Sport hat man für den Tag mit ca 20 gestiegenen Stockwerken und über 13.000 Schritten auch erledigt. 

Zwei Tage vergingen und Lisa und ich wurden mit Bondi immer noch nicht warm. Am vierten Tag nahmen wir (erst den Bus und dann) die Fähre nach Manly und … waren verliebt. Nicht unbedingt in die wackelige Fähre, aber in alles andere. Ich hab gesagt: „Manly ist ein bisschen wie das Prenzlauer Berg in Syndey“ und meine das auch immer noch. Überall trifft man Paare mit Kinderwagen, entspannte Omis und Opis während der Happy Hour, Schulkinder und einfach viel weniger Touristen. Der wohl größte Unterschied war aber das Wetter. Während wir in Bondi, abgesehen von unserem letzten Tag, kein einziges Mal Sonne sahen, hatten wir in Manly richtiges Kaiserwetter.

Speedos Café, Bondi

Celsius Coffee Co., Kirribilli Wharf


Insgesamt hatten wir eine Woche in Sydney. Danach war der Plan mit dem Auto über Byron Bay nach Gold Coast und weiter nach Cairns zu fahren. Das war so lange der Plan bis uns klar wurde, dass die Strecke richtig weit, anstrengend und knapp mit der Zeit wird. Also entschieden wir uns für die (auch deutlich günstigere) Abkürzung, buchten einen weiteren Inlandsflug und flogen direkt nach Gold Coast.

In Gold Coast gibt es einen Stadtteil namens Miami und wenn nicht alle Menschen dort mit breitem Aussie-Akzent sprechen würden, könnte man auch sofort glauben, man befände sich tatsächlich in Florida. Gold Coast hat tolle Strände, unglaublich viele Bars, Clubs und Plastische Chirurgie auf zwei Beinen. Lisa und ich sind uns einig: es war cool, wir haben es gesehen und das war’s. Ein zweites Mal muss nicht sein. Die wohl schönste Erinnerung in Gold Coast war für mich der Sonnenuntergang bei den Burleigh Heads. Hier schnappt man sich am besten eine Picknickdecke, Sandwiches, ein paar Freunde und eine Flasche Vino und guckt sich zusammen mit Locals den Sonnenuntergang direkt am Meer an. Im Gegensatz zum Rest Australiens ist Public Drinking hier übrigens halbwegs legal oder zumindest toleriert. Nach Sonnenuntergang stolperten wir zufällig in eine Art Gospel-Gottesdienst direkt am Wasser (wo wir auch völlig planlos erst mal eine halbe Stunde blieben und mit tanzten haha) und trommelnde Hippies, wo Alt und Jung bis in die Nacht zusammen tanzten. Jap, das war wirklich der schönste Abend seit langem.  Am Tag darauf fuhren wir zum Tallebudgera Creek, einem malerischen Strand mit einer Seezunge, die ins Meer führt und von Wäldern umgeben ist. Hier hatten wir den Strand fast ganz für uns alleine und hätte es nicht nach zwei Stunden angefangen zu regnen, wäre es sicher noch schöner gewesen. Wie ihr vielleicht auf Snapchat und Insta(Stories) gesehen habt, meinte das Wetter es einfach nicht gut mit uns.

Byron Bay erreichten wir bereits im Regen und, bis auf wenige Stunden, kam die Sonne für die nächsten Tage auch nicht mehr raus. Schade.

Byron gefiel mir dafür trotzdem so viel besser, als Gold Coast. Der Ort ist voll mit Hippies, die barfuß laufen und an jeder Bushaltestelle Ukulele spielen, süßen veganen Cafés und Geschäften mit Edelsteinen und Traumfängern. Zwar trifft man auch wirklich viele (deutsche) Touristen, aber darüber darf man sich ja nicht beschweren, wenn man selbst einer ist, oder?  Zumindest konnten wir die Zeit trotz Regen gut in unserer Unterkunft verbringen: dem Byron Palms Guesthouse. Hier hatten wir unsere eigene wunderschöne Ferienwohnung mit Gemeinschaftsküche, wo auch jeden Morgen Frühstück serviert wird. Zu Fuß ist man von der Unterkunft aus in 12 Minuten am Strand und in 5-10 Minuten in vielen Bars, was sie für mich wirklich zu einer Empfehlung macht, die ich gerne an euch weitergebe.  Und apropos Bars: an unserem letzten Abend wollten wir unbedingt in die berühmte Cheeky Monkey Bar, von der uns so viele Leute auf unserer Reise schon erzählt hatten. Leider hielten wir es darin nicht länger als eine Stunde aus – Ballermannfeeling lässt grüßen und ich glaube man feiert Cheeky Monkey nur im Vollsuff. Wegen des Wetters und andauernden Regens haben wir es leider weder zur Farm, noch zum Lighthouse Walk geschafft, was ihr unbedingt tun solltet, wenn ihr mal in der Gegend seid. 

Auch wenn dieser Reisebericht sich so anhören muss, als hätten wir die meiste Zeit bei Regen im Zimmer gesessen, hat mir Byron im Nachhinein richtig gut gefallen. Die Stadt zwingt dich auf eine Weise dazu, mal richtig abzuschalten und zu entspannen. Byron hat in meinen Augen etwas ganz Besonderes an sich und deshalb möchte ich unbedingt wieder kommen und viele Sachen nachholen.

Der eigentliche Plan war mit unserem Mietwagen weiter über Brisbane und Fraser Island nach Cairns zu fahren. Allerdings kamen wir nach eineinhalb Wochen mittelmäßigem bis schlechten Wetter zu dem Entschluss, dass wir dafür nicht an’s andere Ende der Welt geflogen sind und Touren wie Whitsundays und Wanderungen durch Nationalparks im Sturm keinen Sinn machen. Lisa und ich vermissten die gute Zeit, die wir in Melbourne hatten und allem voran die Sonne. Wir schliefen eine Nacht darüber, riefen unseren Mietwagenverleih an und buchten schließlich Tickets von Gold Coast zurück in den Süden. Und was soll ich sagen: wir hatten so ein Glück. Als wir letzte Woche zum Frühstück die News einschalteten, sahen wir die Ausmaße des Zyklons, der ein paar Tage nach unserer Abreise die Ostküste heimsuchte. Die Whitsundays wurden evakuiert, Straßen waren überflutet und unseren Eltern mussten wir auch mehr als einmal versichern, dass das Unwetter nicht in den Süden kommen würde.

Ich sitze in diesem Moment im Flieger von Abu Dhabi nach Berlin, während ich diesen Post schreibe. Im Nachhinein waren sowohl Lisa als auch ich unglaublich happy über die Entscheidung unsere letzten zweieinhalb Wochen in Melbourne verbracht zu haben. Dann eben nächstes mal, liebe East Coast. Wir kommen wieder.

8 Kommentare

  1. Anonym
    5. April 2017 / 5:40 pm

    liebe melina – danke für deine ehrliche art. ich mag dir jeden tollen moment auf deinen reisen immer so gönnen und kann mich mit dir freuen, oder manchmal auch mit dir ärgern �� willkommen zurück zu hause.

  2. 14. April 2017 / 4:29 pm

    Wow sooo schöne Bilder und sicher auch Erinnerungen : ) In letzter Zeit will ich immer lieber nach Australien, da hilft dein Post meinem Fernweh nicht gerade 😀
    Liebe Grüße <3
    Céline von http://www.smultronstaellen.com/

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